Dauerbrenner Mandaukaserne
Zittau, 2. November 2015. Nun hat sich nach dem Stadtforum Zittau auch der Verein "Freunde der Mandaukaserne Zittau e.V." zur Zukunft des markanten Bauwerks geäußert: Oberbürgermeister und Stadträte mögen sich bemühen, den weiteren Verfall der Mandaukaserne mit Hilfe einer Notsanierung zu stoppen.
Geht auch ganz anders, zeigt ein Görlitzer Beispiel
Thema: Mandaukaserne

Die burgartige Zittauer Mandaukaserne prägt das Stadtbild an der Peripherie der Innenstadt. 1869 fertiggestellt, wurde sie bis 1918 militärisch, anschließend vorwiegend zu Wohnzwecken genutzt. Seit 1997 steht der Bau leer.
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"Womit nimmt sich unsere Generation das Recht heraus, über den Abriss der Mandaukaserne zu entscheiden? Dieses denkmalgeschützte Gebäude ist einzigartig", sind sich die Freunde der Mandaukaserne sicher. Kein anderes Zittauer Gebäude belege so beeindruckend den Zeitgeist der damaligen Baumeister und der Stadtväter, die selbstbewusst den Flussverlauf der Mandau korrigierten, um Baufreiheit für dieses Gebäude zu schaffen, heißt es in einer Mitteilung des Vereins.
Bedeutung als technisches Denkmal
Dort wird auch auf die Bedeutung der Kaserne als technisches Denkmal verwiesen: "In der Mandaukaserne wurde die erste zentrale Dampfheizung eines solchen Großgebäudes in Deutschland umgesetzt. Ebenso war die Mandaukaserne mit ihrer innovativen Gebäudebelüftung, die ganz ohne jede technische Hilfsmittel auskam, eine ingenieurtechnische Meisterleistung. Sie ist die erste Kaserne in Deutschland, die zwecks Frischwasserversorgung an ein öffentliches Druckwassernetz angebunden wurde. Zu guter Letzt sei noch der Brandschutz in der Kaserne erwähnt, der bereits 1869 seiner Zeit weit voraus war."
Weiter verweist der Verein auf "unzählige" Anrufe aus ganz Deutschland, in denen Vorschläge und Hilfsangebote zur Rettung des Baudenkmales am Zittauer Martin-Wehnert-Platz mitgeteilt wurden.
Nutzungskonzepte existieren
Die Freunde der Mandaukaserne bitten den Zittauer Oberbürgermeister, existierende Nutzungskonzepte in die weiteren Überlegungen einzubeziehen und verweisen darauf, dass bereits vor Jahren - von der EU gefördert - ein Modell von angehenden Ingenieuren der Hochschule Zittau/Görlitz entwickelt wurde. Das sogar ausgezeichnete Nutzungskonzept hatte beispielsweise Büro- und Vereinsräume vorgesehen, einen Indoorspielplatz sowie Tagespflege oder betreutes Wohnen.
Erster Schritt
Der Verein "Freunde der Mandaukaseme Zittau e.V." hatte sich im Jahr 2009 gegründet, als der Abriss für 1,65 Millionen Euro zur Debatte stand. "Nach unseren Informationen reichte diese Summe schon 2009 nicht aus. Die Abrisskosten wurden damals auf ca. 2,5 Millionen Euro geschätzt. Mit dieser enormen Summe könnten mindestens das Dach und die Türme saniert werden, damit das Denkmal keinen Schaden mehr nimmt", so Rene Nestler, Vorsitzender des Vereins Freunde der Mandaukaseme Zittau e.V., abschließend.
Kommentar
Dass das Herz für ein geschichtsträchtiges und ortsbildprägendes Bauwerk brennt, ist gut zu verstehen. Die Krux liegt - wie so oft - darin, dass die guten Ideen zur Nutzung des Bauwerks, die Verantwortung für deren wirtschaftliche Tragfähigkeit und das nötige Investitionskapital nicht zusammenkommen.
Anders gesagt: Was ist ein Nutzungskonzept wert, für dessen Umsetzung sich kein Unternehmer findet? Allein mit einem "ja, aber da muss man doch..." kann man kein Geld auftreiben. Und die häufig zitierten Fördermittel zur Totalsanierung greifen wohl nur, wenn die Investitionen insgesamt und eine künftige Nutzung gesichert sind.
Das ist eine unbequeme Wahrheit, die allerdings auch starke Triebkräfte auslösen kann: Voraussetzung für eine kurzfristige Notsicherung wäre die mittelfristige Aussicht auf einen oder mehrere Investoren.
Oder man nutzt das iku System, wie es derzeit auf dem Gelände des früheren Schlachthofs in Görlitz angewendet wird. Auch dort hat zu großen Teilen der Verfall historischer Bausubstanz eingesetzt. Unter Führung des iku Instituts für Kommunal- und Umweltplanung haben sich dort acht Arbeitsgruppen aus Bürgern (Altersdurchschnitt etwa Mitte 20) gebildet, die das Areal bis zur Investorengewinnung entwickeln wollen - unter sozialen und ökologischen Gesichtspunkten. Beispielsweise soll hier durch Zwischennutzungen das Umfeld für Investoren aus dem Wohn- und Gewerbereich aufgewertet werden, was eine Win/Win-Situation für Eigentümer, Zwischennutzer wie junge Unternehmen und Investoren schaffen kann.
Der Kontakt zum iku kann nicht schaden,
meint Ihr Thomas Beier



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- Quelle: red | Kommentar: Thomas Beier
- Erstellt am 02.11.2015 - 07:22Uhr | Zuletzt geändert am 07.06.2017 - 23:34Uhr
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