Digitale Welten verändern das Lernen
Zittau, 23. September 2022. Von Thomas Beier. Dass ohne fortwährendes Lernen das Berufsleben für jeden, der am Ball bleiben will, auf Dauer nicht erfolgreich zu meistern ist, liegt nahe – und wird doch oft genug nicht akzeptiert. Warum das so ist und wie man es heutzutage besser macht.
Ob analog oder digital vermittelt: Wissen darf nicht erschlagen, sondern muss Lust auf mehr machen!
Tatsächlich ist die Einstellung zum Wissenserwerb bei vielen eher negativ: Statt neugierig und voller Ehrgeiz zu schauen, was es an persönlich noch nicht erschlossenem oder überhaupt ganz neuem Wissen gibt und wie man es anwenden kann, empfinden es viele Erwachsene als lästig, an einem Lehrgang oder einem Seminar teilnehmen zu müssen.
Sich mit wenig Wissen zufriedengeben?
Vermutlich kommt diese Einstellung schon aus der Art der Wissensvermittlung in vielen Schulen: Die Kinder bekommen den Nürnberger Trichter aufgesetzt, der Lernstoff wird durchgedrückt und Schüler und später Azubis fragen sich nur: Wie viel muss ich mindestens wissen, um durch die Prüfungen zu kommen?
Nur das Notwendigste zu lernen, bleibt dann Grundeinstellung – alles andere braucht man nicht zu wissen. Damit bleibt allerdings auch das Denken auf der Strecke: Man kann das Gehirn im übertragenen Sinne mit einem Hochleistungscomputer, ausgestattet mit einer Supersoftware, vergleichen – doch ohne Daten ist alles für die Katz’. Beim Menschen liefert das Wissen die Daten, die im Denkprozess verarbeitet werden. Anders gesagt: Wer nur wenig lernt, kann es allenfalls zu Bauernschläue bringen. Wem würde das reichen?
Weg vom Muff
Bereits im analogen Zeitalter wurden deshalb Methoden der Wissensvermittlung entwickelt, die weg von der etwas verballhornt sogenannten Muff-Methode gehen. "Muff" steht dabei für "Musik von vorn", den althergebrachten Frontalunterricht, bei dem jemand versucht, allen etwas beizubringen, was er oder sie besser weiß beziehungsweise wissen sollte.Das ist nicht sonderlich effizient und dem Spaß am Lernen sind bei dieser Vorgehensweise ziemlich enge Grenzen gesetzt. Ob nun Kinder oder Erwachsene: Workshopmethoden und das erlebnis- oder auch erfahrungsorientierte Lernen machen nicht nur mehr Spaß, sondern helfen, Grundkompetenzen auszuprägen und die Motivation für das Faktenlernen zu verbessern.
Wissen erfassbar und anwendbar machen
Im heutigen Zeitalter des explodierenden Wissens kommt ein weiterer Aspekt hinzu: Das Wissen muss – besonders in der Weiterbildung von Erwachsenen – in schnell erfassbare und möglichst sofort anwendbare Portionen heruntergebrochen werden. Geeignet sind etwa regelmäßige kurze Teambesprechnungen, für die in Abhängigkeit von den Arbeitsaufgaben oft schon wenige Minuten genügen.Doch wie funktioniert das in der digitalen Welt, etwa dann, wenn Mitarbeiter über große Entfernungen verteilt sind oder manche im Home Office sitzen?
Kritik herkömmlicher Online Weiterbildungen
Online Weiterbildungen nach dem Prinzip offener Seminare ähneln der erwähnten Muss-Methode: Ein Dozent betreut im Auftrag eines sogenannten Bildungsträgers große Gruppen über Tage und Wochen und ist froh, wenn die Teilnehmer endlose Vorstellungsrunden absolvieren oder miteinander diskutieren, weil er dann kaum Input geben und sich nicht weiter vorbereiten muss.Oft drängen sich in solchen Runden jene Teilnehmer, die über die besten Vorkenntnisse verfügen, in den Vordergrund, und jene, die wirklich Wissen erlangen möchten, resignieren und verlieren den Anschluss.
Vorteile von Micro Learning
In der Arbeitswelt gibt es Aufgabengebiete, die ständig von neuen Informationen beeinflusst werden. Gute Beispiele dafür sind Steuerberatungen oder etwa medizinisches Fachpersonal. Doch statt neues Wissen im Komplex zu vermitteln, setzt Micro Learning auf kurze Inputs, die meist nicht länger als zehn Minuten dauern und die je nach persönlichem Bedarf orts- und zeitunabhängig online abgerufen werden können.Das ist effektiv, weil der Lernende natürlich nur das abruft, wo Wissensbedarf besteht. Bei Gruppenunterricht müssen im wesentlichen alle den Stoff komplett durchkauen, ob sie es nun vielleicht schon wissen oder niemals benötigen werden – welch eine Verschwendung an Zeit und Ressourcen! Effizient wird die Form des Micro Learnings zudem, weil durch die kurzen Lektionen, die jeweils eng an einem Thema bleiben, keine Überforderung eintritt.
Grau ist alle Theorie, um eine praktische Anwendung des Micro Learnings zu haben: Für den Bereich der Steuerfortbildung durch Online Steuerseminare mit geringem Zeitaufwand dank effizienter Lernmethoden per Micro Learning hat die TeleTax GmbH aus Berlin die Vorgehensweisen und die sich ergebenden Vorteile zusammengefasst.
Resümee
Sicher kommt niemand, ob nun in Schule oder Beruf, um das Lernen von Fakten herum. Das erwähnte Micro Learning hilft jedoch dank kurzer und klar abgegrenzter Lerneinheiten, sich nach und nach Wissensgebiete zu erschließen. Das macht dann neugierig auf die nötigen Fakten und vermeidet, von geballtem Wissen demotiviert oder gar "erschlagen" zu werden.Vergleichbar ist das dem Erlernen eines Musikinstruments: Wer in langen Unterrichtsstunden immer nur Fingerübungen und Spieltechniken erlernt, verliert irgendwann die Lust. Besser sind schnelle kleine Erfolgserlebnisse, die Lust auf mehr machen.



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- Quelle: Thomas Beier | Foto: Edeta /Tumisu, Pixabay License (Bild bearbeitet)
- Erstellt am 23.09.2022 - 20:17Uhr | Zuletzt geändert am 23.09.2022 - 21:49Uhr
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