Nicht das Autogetriebe!
Zittau, 21. März 2022. Von Thomas Beier. Der Reportagebus der Regional Magazin Gruppe hat eine schlechte Angewohnheit: Bei bestimmten Geschwindigkeiten klappert und scheppert so ziemlich alles, was klappern und scheppern kann. Oh, oh – meldet sich da das Automatikgetriebe zu Wort?
Ein Beitrag für alle, die bei Kardan an eine Modemarke denken

Zum Glück war es nicht das Automatikgetriebe, das ankündigte, seinen Hut zu nehmen. Erster Indikator dafür: Die schnellen rhythmischen Bewegungen setzten immer bei den gleichen Geschwindigkeiten ein, unabhängig von eingelegten Gang. Das deutete auf die Kardanwelle hin, jene Gelenkwelle, mit der der Antriebskraft – exakt das Drehmoment – vom Getriebe auf die Hinterachse übertragen wird. So eine Welle braucht man, wenn im Auto der Motor vorn eingebaut ist, der Antrieb aber über die Hinterräder erfolgt.
Heckantrieb versus Vorderradantrieb
Gerade bei Bussen und Kleintransporten, die oft voll beladen unterwegs sind, macht der Heckantrieb Sinn, bei Lkws soundso. Wobei sich hier die Glaubensrichtungen der Fahrzeugjünger unterscheiden. Manche schwören eher auf den Frontantrieb, weil der Hinterradantrieb schnell zur "Heckschleuder" wird. Tatsächlich neigt bei heckgetriebenen Fahrzeugen die Hinterachse zum Ausbrechen, wenn man etwa eine Kurve zu schnell nehmen möchte. Frontgetriebene Fahrzeuge neigen in der gleichen Situation eher zum Geradeausschieben. Ehrlich gesagt: Bei Fahrten im Zittauer Gebirge, etwa auf Serpentinen, an denen seitlich der Abgrund lauert, ist mir das Ausbrechen des Hecks irgendwie sympathischer, als in einer steilen Kurve geradeaus weiterzufahren.Dass ein Allradantrieb bei mittiger Massenverteilung zwischen den Fahrzeugachsen der Königsweg ist, wer wollte es bestreiten. Zum Zwecke der Massenverteilung gab es beim Porsche 914 – als Einsteigermodell böse auch "Volkporsche" genannt, ein interessante konstruktive Lösung: Vorn der Motor aus dem VW-Regal, das Getriebe aber hinten, an der Hinterachse. Im Web findet sich übrigens eine lustige Zusammenstellung vom Autotypen-Spitznamen; im Osten jedenfalls kannte jeder den "T34 Sport" – gemeint war der Saporoshez aus der Sowjetunion, verballhornt mit dem Panzer T34 – und den "erst gewartet, dann geborgt", wie man den Wartburg als Kürzel deutete. Die Liste zeigt, dass die Autos im Westen teils auch nicht besser wegkamen, berühmt wurde etwa der Opel Manta als "Proletenporsche"
Problem gelöst
Aber zurück zum Bus der Regional Magazin Gruppe: Der kann zwar auch sehr schnell fahren, entwickelt dabei aber eine gewisse Neigung zur Strudelbildung im Tank, was sich heutzutage recht unangenehm im Portemonnaie bemerkbar macht – naja, auch auf der Lkw-Spur kommt man vorwärts. Und überhaupt ist dieser Bus für uns eher eine kleine, mit HighTech vollgepackte Raumstation, mit der wir ab und an dem irdischen Jammertal entfliehen.Das Kardanwellen-Problem ist übrigens gelöst: Ersatzwellen sind in unterschiedlichen Qualitäten und zu unterschiedlichen Preisen verfügbar und der Schrauber hatte eine klare Empfehlung. Als altem Maschinenbauer lacht einem – wie so manchem alten Zittauer Fahrzeugbauer – das Herz im Leibe, was heutzutage an maschinenbautechnischen Bauteilen und Baugruppen verfügbar ist. Wo man früher – im "Volkseigenen Betrieb" (VEB) – selbst konstruieren und herstellen musste, bestellt man heutzutage online. Lang ist’s her, aber schön ist, dass in den alten Phänomen- und ROBUR-Hallen, wo vom Fahrrad bis zum Lkw die großartige Zittauer Fahrzeugbau-Tradition eine ihrer Wurzeln hat, wieder Teile für den Maschinenbau entstehen.
Gelenkwellen im Fahrzeugbau und für Zubehör
Immerhin werden gerade Gelenkwellen an vielen Stellen benötigt, nämlich immer dann, wenn eine Drehbewegung und damit eine Leistung übertragen werden muss. Das betrifft nicht nur Transporter und Busse: Im Motorradbau setzte etwa BMW und auch – ziemlich logisch – die legendäre AWO auf den Kardanantrieb. AWO steht übrigens für Awtowelo, das nach dem Krieg von den Russen enteignete BMW-Werk im thüringischen Eisenach. Awtowelo kann man übersetzen als "selbstfahrendes Fahrrad", aber lassen wir es lieber bei Awtowelo. Aber wenn wir schon bei der russischen Sprache sind: Das Automobil hieß im Russischen jahrzehntelang Awtomaschina, die "selbstfahrende Maschine".Heute findet man man Kardanantriebe vor allem an Lokomotiven und als Antriebswellen, mit denen die Traktoren in der Landwirtschaft angebaute oder angehängte Geräte antreiben. Selbst bei Fahrrädern gibt es Kardanwellen, dann – weil ohne Knickgelenk, aber mit Zahnkranz am Ende wie eine Krone – Königswelle genannt. Gelenkwellen gibt es in unterschiedlichen Ausführungen, aber im Grunde geht es immer darum, ein Drehmoment zu übertragen zwischen technischen Einheiten, die zueinander beweglich sind. Oft werden dabei auch noch Längendifferenzen ausgeglichen, wie dieses bewegte Bild zeigt. Benötigt wird das etwa auch an Leit- und Zugspindeldrehmaschinen für den Vorschub des Querschlittens.
Während bei kleineren Leistungen und vor allem höheren Drehzahlen heute bei bestimmten Anwendungen elektronisch gesteuerte Einzelantriebe zum Einsatz gelangen, bei Fahrrädern die Kette noch immer die Nase vorn hat und bei Motorrädern ebenso, wobei allerdings eine für ihre Geräusche berühmte amerikanische Marke auf Zahnriemen setzt, sind robuste Gelenkwellen für Maschinen wie etwa Werkzeugmaschinen und für robuste Arbeitsmaschinen, so für Schredder, die im mobilen Einsatz extern angetrieben werden, nicht wegzudenken.
Der Namensgeber hat das Kardangelenk nicht erfunden
Aber woher stammt denn nun die Bezeichnung "Kardanwelle" für eine Gelenkwelle? Ganz bestimmt nicht vom Modelabel "Pierre Cardin", wie technisch unbesohlte Leute denken mögen, sondern Gerolamo Cardano (1501–1576), ein italienischer Mathematiker, Arzt und Philosoph, war der Namensgeber. Er beschrieb als erster die kardanische Aufhängung, aber erfunden war diese bereits vor ihm, was er selbst betonte. Genial: Ungefähr 1548 entwarf er eine Kardanwelle für die Kutsche Kaiser Karls V., die Mutter aller Gelenkwellen sozusagen.


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- Quelle: Thomas Beier | Foto Auto: blende12 / Gerhard G., Pixabay License; Foto Traktor: Camera-man / Sergio Cerrato, Pixabay License
- Erstellt am 21.03.2022 - 19:08Uhr | Zuletzt geändert am 21.03.2022 - 20:45Uhr
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