Übersetzungen auf Knopfdruck?
Zittau, 12. August 2022. Von Thomas Beier. Digitalisierung kann demotivierend sein, so jedenfalls der Eindruck, wenn Schüler auf automatische Übersetzungsprogramme verweisen, die im Internet gratis verfügbar sind. So können etwa der Google Übersetzer oder DeepL ganze Textdateien übersetzen und sogar vorlesen. Die stets auf möglichst geringen Kräfteeinsatz beim Lernen bedachten Zöglinge meinen deshalb, sie bräuchten keine Fremdsprache zu erlernen.
Die Grenzen der Übersetzungssoftware
Doch wer einige Kenntnisse in der jeweiligen Fremdsprache hat, erkennt auch die Grenzen der ansonsten außerordentlich leistungsfähigen Softwaretools zum Übersetzen. Die werden beispielsweise erreicht, wenn bestimmte Redewendungen wörtlich übersetzt werden. Sagt ein Engländer etwa: “It’s raining like cats an dogs!”, dann mutet die deutsche Übersetzung “Es regnet wie Katzen und Hunde!” doch etwas seltsam an, besser wäre “Es regnet in Strömen!” oder “Es schüttet wie aus Eimern!”. Allerdings sollte man – um fragende Blick zu vermeiden – auch die deutschen Redewendungen nicht wörtlich in eine andere Sprache übertragen: “It’s raining in streams” ist, wie die Engländer wohl sagen würden, ein no go.
Andererseits gibt es freilich deutsche Redewendungen, die auch in anderen Sprachen üblich sind. In Moskau wurde ich auf die Bemerkung hin, den ganzen Tag auf den Beinen gewesen zu sein (весь день был на ногах), gefragt, woher ich diese typisch russische Redewendung kenne…
Diese beiden Beispiele zeigen, wie subtil man bei Übersetzungen, die nicht nur dem Austausch einfacher Fakten dienen, zu Werke gehen muss. Dabei braucht man nicht einmal an literarische Translationen oder die Übersetzung von Vertragstexten zu denken: Wohl jeder ist schon einmal an der ins Deutsche übersetzten Bedienungsanleitung eines Importgerätes verzweifelt – eine noch so gute Sprachausbildung und keine Übersetzungsmaschine können einen Muttersprachler ersetzen.
Muttersprachler nicht ersetzbar
Vor diesem Hintergrund arbeiten leistungsfähige Übersetzungsbüros mit Muttersprachlern zusammen, bevorzugt mit solchen, die sich auf bestimmte Themengebiete spezialisiert haben. Schon in der deutschen Sprache fällt auf, wenn sich etwa ein Werbetexter auf fachliches Glatteis begeben hat und über etwas schreibt, von dem er im Grunde keine Ahnung hat; auf vielen Webseiten kann man das nachvollziehen.Wird aber in eine Fremdsprache übersetzt, dann ist das Potential an Fehlern, Irrtümern und Missverständnissen noch viel höher – und aus Übersetzungsfehlern können Haftungsfragen und Folgekosten entstehen. Welche Qualität und Zuverlässigkeit traut man jemandem zu, der nicht einmal einen fehlerfreien Text in Bezug auf
- Rechtschreibung,
- Grammatik,
- Ausdruck und nicht zuletzt den
- fachlichen Inhalt
zustande bringt? Wer beim Übersetzungsbüro sparen möchte, kann unter Umständen auch gleich die Mittel für Werbung und Öffentlichkeitsarbeit streichen, denn das mühsam aufgebaute Image wird durch schlechte Übersetzungen schnell zunichte gemacht.
Auswahlkriterien für Übersetzungsdienstleister
Wer erstmals einen Übersetzungsdienstleister auswählen muss, sieht sich mit einer Vielzahl von Anbietern konfrontiert. Im ersten Schritt geht es darum, die Spreu vom Weizen zu trennen. Zu diesem Zweck eine Auswahl möglicher Checkpunkte:- Der Sitz des Dienstleisters ist unwichtig – Übersetzungsdienstleistungen laufen zum allergrößten Teil online ab, leistungsfähige Übersetzungsdienstleister bieten dazu eigene Schnittstellen an.
- Der Ablauf der Auftragsabwicklung ist das nächste Stichwort: Ein zertifiziertes Qualitätsmanagementsystem nach DIN EN ISO 9001 gibt den Kunden Sicherheit.
- Die Übersetzungsdienstleistungen selbst sollten nach DIN EN ISO 17100 zertifiziert sein.
- Bei besonderen Anforderungen wie etwa einer zielgruppengerechten Sprache, der Vertonung von Texten oder der Übersetzung von Dokumentationen mit technischen Zeichnungen sollten in einem Beratungsgespräch Erwartungen und Möglichkeiten abgestimmt werden. Wie stets sind auch hier Referenzen eine gute Entscheidungshilfe.
Wann Übersetzungssoftware sinnvoll ist
Für einfache Aufgaben sind die online verfügbaren Übersetzungsprogramme – übrigens auch für Sorbisch – recht praktisch, allerdings sind beim Übersetzen in eine Fremdsprache grundlegende Sprachkenntnisse beim Anwender von Vorteil. Relativ sicher geht, wer die Übersetzungstools mit kurzen Aussagesätzen füttert. Zu berücksichtigen ist auch, ob man mit jemandem schon länger in Kontakt ist oder ob es sich um einen wichtigen Erstkontakt handelt, bei dem Fehler unverzeihlich wären.Praxistipp:
Wer in unterschiedlichen Sprachräumen und damit oft auch Zeitzonen aktiv ist und von dort Anrufe erhält, sollte jedem Sprachraum eine eigene Rufnummer zuordnen und den Anrufbeantworter mit Hinweisen in der entsprechenden Sprache versehen – in manchen Teilen der Welt ist halt gerade dann beste Arbeitszeit, wenn man sich in Deutschland schon aufs Ohr gelegt hat.



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- Quelle: Thomas Beier | Foto: andibreit / Andreas Breitling, Pixabay License
- Erstellt am 12.08.2022 - 12:48Uhr | Zuletzt geändert am 12.08.2022 - 13:40Uhr
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